Ort und Haus

Knapp zehn Kilometer nördlich von Halberstadt, unterhalb der Huysburg, einem im 11. Jahrhundert gegründeten Kloster, liegt das alte Brauhaus von Röderhof. Der ehemalige Wirtschaftshof des Benediktinerklosters liegt fast schon inmitten des ausgedehnten Buchenwaldgebietes, welches die Kalkhänge des Huy bedeckt. Nur hin und wieder gibt er den Blick frei auf den charakteristischen, am Horizont modellierten Rücken des Harzes. In dieser, von der Natur noch geprägten Landschaft, deren abweisende Bergigkeit die Kulturbestrebungen des Menschen erschwerte, wo die Kulturgeschichte nur hin und wieder kleine Zeichen setzen konnte, vollzog eine kleine Gruppe enthusiastischer Menschen die Gründung des Kunstvereins nachdem sie das vom Verfall bedrohte Schloss am Ort gerettet hatte.

Seit 1991 war es möglich, Malern, Bildhauern und Schriftstellern dreimonatige Stipendien zur Verfügung zu stellen. Besucher der jeweils anschließenden Ausstellungen erhielten Einblicke in die verschiedenen Kunstströmungen und Arbeitsweisen. Fast zwanzig Jahre sind seit den Anfängen vergangen. Das Schloss musste inzwischen geräumt werden und doch blieben, nicht zuletzt der ansässigen Bevölkerung, die hier arbeitenden Künstler erhalten.

Seit 1996 bietet das dem Schloss gegenüberliegende Brauereigebäude großzügig Raum für die verschiedenen Aktivitäten des Kunstvereins sowie das künstlerische Tätigsein. Im Erdgeschoss befinden sich neben einem großen Ausstellungsraum Büro- und Versammlungsräume sowie eine Druckwerkstatt, eine Teeküche und sanitäre Anlagen. In der ersten Etage liegen zwei geräumige Wohnateliers, ein Gemeinschaftsbad sowie zwei weitere Ausstellungsräume. Große Fenster machen im ganzen Gebäude den Wechsel des Lichtes erlebbar.

Weitere Flächen für die Kunstschau und Begleitveranstaltungen bieten das geräumige Kellergewölbe, die Freiflächen vor dem Haupteingang des Brauhauses sowie die rückwärts gelegenen, über den Keller erreichbaren den Anlagen. Vom Verein Ende 1995 erworben und 1996 als festes Domizil bezogen, hat das Gebäude in verschiedenen Sanierungs- und Ausbaustufen an Funktionalität gewonnen. Zuletzt wurden 2006 die beiden Räume für Stipendiaten renoviert und mit neuem Mobiliar ausgestattet.

Aus der Geschichte

Die Entdeckung des Röderhofer Schlosses, in dessen Mauern und Park der später zu gründende Verein seine erste Heimstatt finden wird, ist auf den Sommer des Jahres 1987 zu datieren. Den Initiatoren schwebt eine Mischnutzung vor – in Schloss Röderhof sollen Wohnen und kulturelles Erleben nebeneinander möglich sein. Alltagsarbeit, Kunst und Kommunikation sollen sich hier verbinden.

Nach den Mühen eines Jahres eröffnet im Sommer 1989 die erste Werkstattausstellung in den unteren, renovierten Haupträumen des Schlosses. Im November 1989 bietet der Kreis Halberstadt den Nutzern das Schloss zum Kauf an, zieht dieses Angebot jedoch kurz darauf zurück. Im Januar 1990 wird der Kunstverein Schloss Röderhof e.V. gegründet.

Der Verein sucht seit der Gründung die aktive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer bildender Kunst zufördern. Diesem Zweck geht er nichtkommerziell nach und offen gegenüber der Vielfalt zeitgenössischen Kunstschaffens.

Der vom Notar zur Unterschrift vorbereitete Kaufvertrag wird im Dezember 1994 vom Bundesfinanzminister persönlich annulliert. 1995 geht Schloss Röderhof mit seiner Entscheidung an den Enkel des Altbesitzers. Der Kunstverein muss dem Erben weichen und sich rechtlich um geleistete Investitionen streiten. Die Existenz der Kunstinitiative wird damit in Frage gestellt.

Auf Anraten des Vorstandes entscheidet die Mitgliederversammlung, den Kauf des alten Brauhauses in Röderhof zu beantragen. Der Kunstverein erwirbt das Gebäude im gleichen Jahr.
Mit dem Umzug in das Brauereigebäude zieht das »Schloss« aus dem Titel des Vereins, der nun sein Tätigsein als »Kunstverein Röderhof e.V.«. fortsetzt. Und wieder stehen am Beginn Bauarbeiten. In den Jahren 1996 und 1997 wird die erste Ausbaustufe mit dem Zuwendungsbescheid des Landes Sachsen-Anhalt durchgeführt. Es entstehen zwei Künstlerateliers, sanitäre Einrichtungen, allgemeine Arbeits- und Ausstellungsräume und die erste Ausbaustufe der Heizungsanlage wird beendet. Parallel dazu werden mit Unterstützung der Halberstädter Arbeitsförderungs- und Qualifizierungsgesellschaft die Außenanlagen im Innenhof und das untere Kellergewölbe saniert. Das Bundesprogramm »Kultur in den neuen Bundesländern 1999 – 2001« ermöglicht den zweiten Bauabschnitt. Unter dem Arbeitstitel »Ausbau des einzigen Künstlerhauses in Sachsen-Anhalt mit nationaler und internationaler Reputation« werden viele Bereiche des Gebäudes grundlegend saniert.
In die Jahre 2006 und 2007 fällt nochmals ein größerer Bauabschnitt. Zwei Künstlermuseen in Röderhof und ein Künstlermuseum in Huy-Neinstedt entstehen. Möglich wird dies durch die Gemeinschaftsinitiative LEADER+, welche das Projekt »Orientierungsraum Landschaft« fördert.

© 2015 Kunstverein Röderhof e.V.

38838| Röderhof | Gut 50 |